Führt ein Diagnosefehler zur Arzthaftung?

Schadensersatz bei Diagnosefehler?

Irrtümer bei der Diagnosestellung, die in der Praxis nicht selten vorkommen, sind oft nicht die Folge eines vorwerfbaren Versehens des Arztes. Die Symptome einer Erkrankung sind nämlich nicht immer eindeutig, sondern können auf die verschiedensten Ursachen hinweisen.

Wegen der Unterschiedlichkeiten des menschlichen Organismus treten Symptome von ein und derselben Krankheit bei verschiedenen Patienten auch unterschiedlich auf.

Diagnosefehler und Arzthaftung im Medizinrecht

Diagnosefehler, die lediglich auf einer Fehlinterpretation erhobener Befunde zurückzuführen sind, werden daher von der Rechtsprechung nur mit großer Zurückhaltung als Behandlungsfehler bewertet.

Bei einer falschen Diagnose liegt die Beweislast im Arzthaftungsprozess beim Patienten. Ein einfacher Diagnosefehler führt in der Rechtsprechung meistens nicht zu einer Arzthaftung.

So ist die objektive Fehlerhaftigkeit einer Diagnose nicht vorwerfbar, wenn es sich um eine in der gegebenen Situation vertretbare Deutung eines Befundes handelt.

Gegen falsche Diagnose vorgehen

Allerdings ist es als grober Behandlungsfehler zu werten, soweit die Diagnose des Arztes eine unvertretbare Fehlleistung darstellt. Ein solcher fundamentaler Diagnoseirrtum wurde zum Beispiel verneint, bei der Nichterkennung des Bruchs eines Fingers auf einem Röntgenbild, wenn dieser nur schwer ersichtlich war.

Wenn ein Radiologe den Brustkrebs wegen Strukturverdichtungen und Narbenbildungen verkennt, ist dies keine „gänzlich unverständliche, nicht mehr vertretbare“ Fehldiagnose.

Allerdings wurde zum Beispiel ein grober Diagnosefehler anerkannt, bei wiederholt auftretenden Krampfanfällen oder einer akuten, schweren und fieberhaften Erkrankung, da diese Verkennung einer tatsächlich vorliegenden Hirnhautentzündung grob fehlerhaft ist.

Ein fundamentaler Diagnosefehler liegt auch vor, wenn vom behandelnden Radiologen, die auf einer Phlebographie ohne weiteres erkennbare Thrombose als „ungünstiges Strömungsverhältnis“ interpretiert wird. Auch wenn der Radiologe, trotz sich auf einer CT-Aufnahme ergebender deutlicher Verdachtsmomente für das Vorliegen eines Lungenkarzinoms, eine solche Diagnose ausschließt, liegt ein fundamentaler Diagnosefehler vor.

Fundamentale Diagnosefehler rechtfertigen Schmerzensgeld

Ebenso, wenn ein behandelnder Facharzt trotz deutlicher Anzeichen eine bakterielle Infektion verkennt. Es ist auch grob fehlerhaft, bei einem schmerzhaft geschwollenen Hoden die Möglichkeit einer Hodentorsion auszuschließen und eine Nebenhodenentzündung zu diagnostizieren, ohne den Hoden zuvor operativ frei gelegt zu haben, bzw. den Patienten zur Freilegung des Hodens notfallmäßig in die Chirurgie zu überweisen.

Die fehlerhafte Diagnose eines Myoms in der Gebärmutter mit der Folge der – objektiv nicht indizierten – Entfernung der Gebärmutter ist grob fehlerhaft, wenn einer solchen Diagnose durch eine vorangegangen Laparoskopie, bei der kein Myom beschrieben wird, der Boden entzogen worden ist.

Ebenso wurde als grober Behandlungsfehler in Form eines fundamentalen Diagnosefehlers gewertet, dass bei – trotz monatelang bestehender – Heiserkeit nicht die Verdachtsdiagnose „Kehlkopfkarzinom“ gestellt wurde.

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