Gesamtschuldnerische Krankenhaus- und Hebammenhaftung bei Geburtsschäden

Das Oberlandesgericht München verurteilte den Träger eines Krankenhauses und eine freiberufliche Hebamme gesamtschuldnerisch zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 65.000 €. Zudem stellte es fest, dass sie verpflichtet sind dem geburtsgeschädigen Kind alle vergangenen und künftigen materiellen Schäden zu ersetzen, die diesem daraus entstanden sind, da es bei seiner Geburt eine linksseitige vollständige Armplexusparese erlitten hat.

Dabei berief sich das Gericht in seiner Begründung auf die Ausführungen eines neuropädiatrischen Sachverständigen. Dieser hatte gutachterlich festgestellt, dass die Schädigung nur während des Geburtsvorganges durch Zugkräfte entstanden sein kann, wobei aufgrund der von dem Kind erlittenen schwersten Form der  Armplexusparese eine hohe Zugkraft erforderlich gewesen sei.

Auch der geburtshilfliche Sachverständige konnte ausschließen, dass die eingetretenen Nervenzereisung allein durch den Geburtsvorgang selbst, also ohne die geleisteten geburtshilfliche Maßnahme, hervorgerufen worden sein könnte. Die Ausübung einer solchen Zugkraft entsprach nach den Ausführungen der Sachverständigen nicht dem medizinischen Facharztstandart und war daher behandlungsfehlerhaft, sodass sowohl die Hebamme, als auch der Krankenhausträger für sämtliche entstandene Gesundheitsschäden des Kindes gesamtschuldnerisch haften.

(OLG Hamm, Urteil vom 07. 03. 2018,  162/17)

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

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