Arzthaftung bei Geburtsschaden; Schmerzensgeldbemessung bei schwersten Beeinträchtigungen eines Neugeborenen – Schmerzensgeld 450.000 €

Das Landgericht Aachen anerkannte ein Schmerzensgeld in Höhe von 450.000 € bei schwerster Hirnschädigung eines Neugeborenen. Zudem wurde ausgeurteilt, dass die Beklagten auch für sämtliche vergangenen und zukünftigen materiellen Schäden und für nicht vorhersehbare immaterielle Schäden haften, die aufgrund der fehlerhaft verzögerten Geburt entstanden sind. Dabei ging das Gericht davon aus, dass das CTG nicht rechtzeitig ausgewertet wurde, dass auf eine Sauerstoffunterversorgung hinwies und eine Mikroblutuntersuchung unterlassen wurde.

Wären diese notwendigen Untersuchungen nicht unterlassen worden, wäre die Indikation für eine Not-Sectio schneller gestellt worden und möglicherweise keine Hirnschädigung des Neugeborenen eingetreten.

Da es sich um einen Befunderhebungsfehler handelt, tritt Beweislastumkehr ein, sodass die Behandler zu beweisen haben, dass es auch bei rechtmäßigem Handeln zum gleichen Gesundheitsschaden gekommen wäre. Dieser Beweis ist den Behandlern nicht gelungen, sodass es zur Verurteilung kam.

(LG Aachen, Urteil vom 10. Januar 2018,11 O 314/14)

 

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Medizinrecht

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