Arzthaftung bei Geburtsschaden aufgrund fehlender rechtzeitiger Aufklärung zur Möglichkeit eines Kaiserschnitts

Das OLG Köln anerkannte mit Urteil vom 23.01.2019,  unter  Feststellung eines ärztlichen Aufklärungsfehlers vor der Geburt, ein Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 € und stellte fest, dass die beklagten Ärzte und der Träger des Krankenhauses für jegliche vergangene und zukünftige materielle Schäden haftet.

Das im Jahre 2002 durch Vakuumsextraktion geborene Mädchen hatte während der Geburt eine Erb´sche Lähmung (obere Armplexuslähmung) erlitten. Das Gericht wies darauf hin, dass, bei einem zu erwartenden Geburtsgewicht von über 4000 g (Makro-somie), erheblichem Übergewicht der Mutter und nicht auszuschließender Schwanger-schaftsdiabetes, die Mutter frühzeitig über die Möglichkeit eines Kaiserschnittes auf-geklärt werden muss.

Dies hatte auch der BGH bereits entschieden: Bestehen deutliche Anzeichen dafür, dass im weiteren Verlaufs eines Entbindungsvorgangs eine Situation eintreten kann, in der eine normale vaginale Entbindung kaum noch in Betracht kommt, sondern eine Schnittentbindung notwendig wird oder zumindest zu einer echten Alternative zu einer vaginalen Entbindung wird, dann muss der geburtsleitender Arzt die Mutter bereits zu einem Zeitpunkt über die unterschiedlichen Risiken und Entbindungsmethoden aufklären und ihre Entscheidung einholen, zu dem sie sich noch in einem Zustand befindet, in dem diese Problematik mit ihr besprochen werden kann (BGH, Urteil vom 16.02.1993, VI ZR 300/91; BGH Urteil vom 28.08. 2018, VI ZR 509/17).

(OLG Köln, Urteil vom 23. Januar 2019, 5 U 69/16)

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

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