Schwerer Geburtsschaden aufgrund einer unterlassenen Blutzuckerwertbestimmung bei einem Neugeborenen

Das OLG Hamm anerkannte bei einem schwerst geistig und körperlich geschädigten Kind ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 €.

Zudem traf es die Feststellung, dass das Krankenhaus bzw. der behandelnde Gynäkologe, auch für sämtliche zukünftige materiellen und immateriellen Schäden des Kindes zu haften hat. Nach Einholung von drei Sachverständigengutachten stellt das OLG fest, dass bei Eintreten einer lebensbedrohlichen Situation nach der Geburt unterlassen wurde rechtzeitig den Blutzuckerwert zu bestimmen. Eine solche Bestimmung war aus medizinischer Sicht dringend erforderlich, um zu klären, ob die Symptome (schlapp und an Händen und Füßen blau mit folgenden cerebralen Krampfanfällen) auf eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) zurückzuführen sind. Diese unterlassene Befunderhebung, in einer lebensbedrohlichen Situation am ersten Lebenstag eines Kindes, stellt einen groben Behandlungsfehler dar.

Für den daraus resultierenden Gesundheitsschaden haften die handelnden Ärzte und das Krankenhaus. Bei einer schweren geistigen und körperlichen Beeinträchtigung eines Kindes, die niemals ermöglicht, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, hielt  das  OLG ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 € für angemessen.

OLG Hamm, Urteil vom 04. 12. 2018, 26 U 9/16

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

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