650.000 € Schmerzensgeld bei einem schweren Hirnschaden (apallisches Syndrom)

 

 

Das Kammergericht Berlin entschied mit Urteil vom 16.02.2012 folgenden Fall:

 

Ein ca. 4 jähriges Mädchen brach sich bei einem Sturz den linken Arm. Am gleichen Tag erfolgte die Operation des Kindes zur Fixierung des Bruches, damit dieser anschließend verheilen sollte. Das Kind wurde dazu narkotisiert. Bei der Narkose kam es zu einer sogenannten Schaukelatmung (die Atmung verläuft genau umgekehrt wie normalerweise, der Brustkorb zieht sich bei der Einatmung zusammen und bei der Ausatmung dehnt er sich aus). Außerdem lag eine Blauverfärbung der Lippen, als Folge einer zeitweise unterbrochenen Atmung (Lippenzyanose) vor.

 

Drei Tage später wurde bei dem Mädchen eine Hirnschwellung (Hirnödem, Flüssigkeitseinlagerung im Gehirn) festgestellt. Trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen zur Abschwellung, stieg der Hirndruck weiter an.

 

Seit diesem Vorfall leidet das Mädchen an einem schweren Hirnschaden (apallisches Syndrom, funktioneller Ausfall der gesamten Großhirnfunktion oder größerer Teile davon). Sie ist zu 100 % schwerbeschädigt. Außerdem leidet sie an einer Spastik an allen vier Gliedmaßen (Tetraspastik). Ihre Ernährung kann nur künstlich über eine Sonde erfolgen.

 

Da der Zustand des Mädchens durch einen ärztlichen Behandlungsfehler verursacht wurde, hat das Gericht dem Kind ein Schmerzensgeld in einer Gesamthöhe von 650.000 € zugesprochen. Der Betrag setzt sich aus einem Schmerzensgeld und aus einer zu zahlenden Schmerzensgeldrente zusammen. Das Gericht anerkannte ein so hohes Schmerzensgeld, weil eine Erinnerung des Kindes an das Leben vor dem Vorfall nicht ausgeschlossen werden konnte. Daher wäre es möglich, dass dem Mädchen die Grausamkeit und Ausweglosigkeit ihrer Situation durchaus bewusst sei und sie daher neben dem körperlichen auch großes seelisches Leid ertragen muss.

 

Urteil 20 U 157/10 Kammergericht Berlin vom 16.02.2012

 

Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

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