Ablösung der Netzhaut und Verlust des Sehvermögens infolge grober Behandlungsfehler

Ein 29-jähriger Mann bemerkte eine Sehstörung auf seinem rechten Auge. Die Augenärztin stellte beim Patienten ein Netzhautloch (Foramen) und eine Glaskörperblutung fest. Zur Behandlung nahm die Ärztin eine Laserkoagulation (auch Photokoagulation genannt; ein Routineverfahren, bei dem die Netzhaut nach Betäubung mit hoch intensiven Lichtblitzen beschossen wird) vor. Acht Tage später folgte eine zweite Laserkoagulation. Eine Besserung der Beschwerden des Patienten stellten sich allerdings danach nicht ein. Sieben Tage darauf wurde eine dritte Laserkoagulation durchgeführt. Auch diese führte aber zu keiner nennenswerten Besserung des Zustands des Auges. In den nächsten Tagen kam es zu einer Ablösung der Netzhaut. Diese wurde durch eine Glaskörper-Operation behandelt. Es trat trotzdem keine Verbesserung der Sehkraft mehr ein.

Da im Ergebnis durch einen augenärztlichen Sachverständigen festgestellt werden konnte, dass Behandlungsfehler auf der Arztseite vorlagen, ist das Gericht der Auffassung des Gutachters gefolgt und sprach dem Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 € zu.

Der Sachverständige stellte fest, dass die zweite Laserkoagulation nicht mehr lege artis war. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte eine Überweisung an einen Augenchirurgen erfolgen müssen. Außerdem lag ein Befunderhebungsfehler vor, da zu Beginn der Behandlung die Netzhaut nicht fortlaufend durch Ultraschalluntersuchungen beobachtet wurde. Dies ist umso erheblicher, da es sich bei der Ultraschalluntersuchung um ein relativ schnelles Verfahren handelt, welches leicht hätte durchgeführt werden können.

Diese unterbliebene Untersuchung wäre aber erforderlich gewesen, um sachgerecht entscheiden zu können, ob eine Laserbehandlung anstelle des operativen Vorgehens überhaupt in Betracht kam und eine durchgeführte Laserkoagulation Erfolg gehabt haben könnte. Die Behandlungsfehler waren daher grob.

 

Urteil 26 U 28/13 Oberlandesgericht Hamm vom 21.02.2014

 

Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

 

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