Schmerzensgeld aufgrund Sauerstoffunterversorgung durch fehlerhafte gynäkolische Behandlung

Geburtsschaden, Haftung des niedergelassenen Gynäkologen

Das Oberlandesgericht Hamm verurteilte mit Urteil vom 19.03.2018 (3 U 63/15) einen niedergelassenen Gynäkologen zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 €, mit der Feststellung, dass der Arzt für jegliche weitere vergangene und und zukünftige Schäden einzustehen hat, da das Kind aufgrund grob fehlerhafter gynäkologischer Behandlung eine Sauerstoffunterversorgung erlitt und diese zu schweren dauerhaften körperlichen und geistigen Schäden führte.

Nach den Feststellungen des Sachverständigen in diesem Prozess zeigt das CTG häufig einen Normalzustand des Fetus. Ein pathologischer CTG-Befund, könne in einzelnen Fällen aber auch einen ersten wichtigen Hinweis auf eine akute fetale Gefährdung bieten, weshalb insoweit auch ein Notfallplan bereitgehalten werden muss. In der Praxis eines Gynäkologen, wo die Helferinnen das CTG gewöhnlicherweise anlegen und wieder abnehmen, müssen diese so geschult sein, dass sie grobe Auffälligkeiten – wie ein silentes CTG – spätestens nach 25 – 30 Minuten erkennen und an den Arzt weiterleiten. Gerade im Hinblick darauf, dass das CTG eine Momentaufnahme des kindlichen Zustandes darstellt, ist die Durchführung dieser Untersuchung nur dann sinnvoll, wenn auch eine zeitnahe Reaktion auf etwaige Pathologien durch fachkundiges Personal gewährleistet ist.

 

Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

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