70.000 € Schmerzensgeld und Schadensersatz aufgrund Befunderhebungsfehler

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat mit Urteil vom 17.05.2018 (7 O 32/17) entschieden, dass das Unterlassen der Wiedereinbestellung eines Patienten (hier eines stark fiebrigen Kindes) zu einer medizinisch gebotenen weiteren Diagnostik nicht nur ein Verstoß gegen die Pflicht zur therapeutischen Aufklärung darstellt, sondern auch einen groben Befunderhebungsfehler.

Der Kinderarzt hatte es in diesem Fall sorgfaltswidrig unterlassen, hinreichend der Frage nachzugehen, ob, statt dieses diagnostizierten Heuschnupfens, auch eine septische Arthritis vorliegen kann. Bei aufgetretenem hohen Fieber um die 39°C und der Gabe von fiebersenkenden Mitteln und den noch bestehenden heftigen Ruheschmerzen war eine kurzfristige Wiedervorstellung zur weiteren Befunderhebung und Abklärung des nicht hinreichend klaren Krankheitsbildes geboten.

Das Kind erlitt wegen der verspäteten Befunderhebung eine Hüftnekrose, die einen Dauerschaden darstellt und es zeitlebens in seiner Gesundheit beeinträchtigen wird. Das Gericht anerkannte ein Schmerzensgeld in Höhe von 70.000 € und die Zahlung von weiterem materiellen Schadensersatz.

Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 17.05.2018 (7 O 32/17)

 

Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

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