Schmerzensgeld in Höhe von 15.000,00 € bei verbleibender Beeinträchtigung des Sprechvermögens bei unzureichender Risikoaufklärung vor einer Lymphknotenentfernung im Halsbereich

Arzthaftung: Schmerzensgeld in Höhe von 15.000,00 € bei verbleibender Beeinträchtigung des Sprechvermögens bei unzureichender Risikoaufklärung vor einer Lymphknotenentfernung im Halsbereich

Eine 1957 geborene Klägerin, Telefonistin von Beruf, nimmt den beklagten Chirurgen auf Zahlung von materiellem und immateriellem Schadensersatz sowie Erstattung von vorgerichtlichen Anwaltskosten wegen der Folgen einer Operation in Anspruch.

Sie lastet ihm an, am Vortag des diagnostischen Eingriffes im Halsbereich nicht darüber aufgeklärt worden zu sein, dass eine bleibende Stimmbandlähmung eintreten könnte.

In Folge dieser Komplikation ist sie dauerhaft erheblich beeinträchtigt, insbesondere kann sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Dazu stellte das Oberlandesgericht Koblenz fest, dass bei einer geplanten Lymphknotenentfernung im Halsbereich in gefährlicher Nähe von Nerven, der Arzt den Patienten darüber aufklären muss, dass es im Falle einer Läsion derselben zu einer dauerhaft verbleibenden Stimmbandlähmung mit der Folge, einer erheblichen Beeinträchtigung des Sprechvermögens kommen kann. Ist über einen solchen möglichen dauerhaften Folgeschaden nicht aufgeklärt worden, kann die Behandlungsseite eine mutmaßliche oder hypothetische Einwilligung, die doch noch zur Rechtmäßigkeit des Eingriffes führen würde, nicht daraus herleiten, dass der Patient über ein weitaus gravierenderes Risiko (Atembeschwerden) aufgeklärt wurde und dennoch dem Eingriff einwilligte.

Das Gericht hielt, bei einer dauerhaft verbleibenden Stimmbandlähmung, die mehrere Krankenhausaufenthalte erforderlich machte und die zu einer monatelangen Arbeitsunfähigkeit führte, wobei zudem mit einer vollständigen Wiederherstellung des Sprechvermögens nicht mehr zu rechnen ist, ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000,00 € für angemessen.

OLG Koblenz, Urteil vom 28.11.2012, Az.: 5 U 420/11

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

 

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