Arzthaftung bei falscher Diagnosestellung eines Hautarztes und Verkennung eines Melanoms

Vor dem Brandenburgischen Oberlandesgericht klagte ein Ehemann, für seine an den Folgen eines Melanoms verstorbenen Frau, Schmerzensgeld und Schadensersatzansprüche ein. Das OLG wies die Klage zurück, da kein Behandlungsfehler festzustellen sei.

Dabei stellte der Senat fest, dass im Rahmen der Dermatoskopie objektive Irrtümer bei der Diagnosestellung nicht notwendig Folgen eines vorwerfbaren Versehens des behandelnden Arztes sind, weil die Symptome einer Erkrankung nicht immer eindeutig sind, sondern auf verschiedene Ursachen hinweisen können.

Dem Arzt stehe daher grundsätzlich bei der Diagnose ein gewisser Beurteilungs- und Entscheidungsspielraum zu. Die objektive Fehlerhaftigkeit einer Diagnose ist nicht vorwerfbar, wenn es sich um eine in der gegebenen Situation vertretbare Deutung der Befunde handelt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, soweit die getroffene Diagnose medizinisch nicht mehr vertretbar ist. Zudem stellte der Senat fest, dass es keinen medizinischen Standard dahin gehend gibt, einem Patienten, der aus Beunruhigung über ein verändertes Muttermal vorstellig wird, stets und ungeachtet der dermastokopischen Untersuchung eine Gewebeprobe zu entnehmen und diese histologisch zu untersuchen.

Brandenburgisches OLG, Urteil vom 21.07.2011; 12 U 9/11

 

G. Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

 

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