Schmerzensgeld bei Geburtsschaden

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hielt ein Schmerzensgeld in Höhe von 350.000,00 € für angemessen, bei einer fehlerhaften Behandlung bei einer Geburt.

Dabei wurde durch schwerste Hirnschäden, die Persönlichkeit in einem ganz erheblichem Umfange zerstört. Es anerkannte die Haftung eines Assistenzarztes, dem die erforderliche berufliche Erfahrung fehlte und der eine Gefährdung des Patienten hätte voraussehen müssen.

Nach der Begründung des Gerichts kommt es darauf an, ob sich der Assistenzarzt unter den besonderen Umständen des Falles darauf verlassen durfte, dass die vorgesehene Behandlung ihn nicht überfordert, z. B. weil für den Fall von Komplikationen organisatorisch die erforderliche Vorsorge getroffen worden war. Im streitgegen-ständlichen Fall war dies nicht erfolgt. Zwar hatte die Klinik durch die Einrichtung eines Hintergrunddienstes Vorsorge für den Fall von Komplikationen getroffen und diesen Dienst auch mit einem Oberarzt in der geburtshilflichen Abteilung besetzt. Der Assistenzarzt hat sich jedoch, trotz seiner fehlenden Erfahrung bei der Leitung einer Beckenendlagengeburt, nicht rechtzeitig an den Oberarzt gewendet um Anweisung zu halten. Ein sorgfältig handelnder Arzt hätte bereits frühzeitig die Indikation zur Beendigung der Geburt durch Kaiserschnitt gestellt. Die bei dem Kläger eingetretene Hirnschädigung ist auf die Versäumnisse bei der Geburtsleitung zurückzuführen, sodass sowohl der Krankenhausträger als auch die handelnden Ärzte als Gesamtschulder auf die Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 350.000,00 € und für den Ersatz des materiellen Schadens haften.

OLG Düsseldorf, Urteil vom 18.04.2013, 8 U 24/12

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

Gabriele Mayer

 

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