Pflicht zur Aufklärung über alternative Methoden der Knochenentnahme

Das OLG Köln hat entschieden, dass ein Eingriff, bei dem Knochenmaterial aus dem linken Unterkiefer zum Aufbau des Knochens im Oberkiefer entnommen wurde, rechtswidrig war. Denn die Einwilligung der Klägerin war unwirksam, weil der Arzt sie nicht ausreichend über Behandlungsalternativen und Risiken des Eingriffs aufgeklärt hatte. Dabei obliegt dem Beklagten Arzt der volle Beweis einer umfassenden Aufklärung über Behandlungsalternativen. Nach Auffassung des Senats hätte der Arzt darüber aufklären müssen, dass auch die Möglichkeit einer Knochenentnahme aus dem Beckenkamm besteht. Eine Aufklärung über diese Alternative Methode der Knochenentnahme (hier: Unterkiefer- oder Beckenkammentnahme) war erforderlich, da es sich um unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten handelt, die mit unterschiedlichen Risiken behaftet sind. Beide Methoden haben ihre unterschiedlichen Vor- und Nachteile, sodass keine der beiden Alternativen vorzugswürdig ist. In diesem Fall hat der Patient, nach umfassender Aufklärung über beide Behandlungsalternativen, die Wahl zu treffen, welcher Methode er den Vorzug gibt. Dies kann er im Rahmen seines Selbstbestimmungsrechtes jedoch nur dann, wenn er über das Bestehen der Alternativen ordnungsgemäß aufgeklärt wurde. Im vorliegenden Fall konnte der Arzt eine entsprechende Aufklärung nicht beweisen, sodass das Oberlandesgericht Köln ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000,00 € ausurteilten.

OLG Köln, Urteil vom 25.11.2013, Az.: 5 U 164/12

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht
Gabriele Mayer

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