Arzt- und Krankenhaushaftung: Gesundheitsschaden wegen eines Befunderhebungsfehler bei der Behandlung eines arteriellen Gefäßverschlusses

Ein Patient, der in Folge eines Befunderhebungsfehlers zunächst einen arteriellen Gefäßverschluss unterhalb des Kniegelenks erleidet und in der Folgezeit sieben Operationen und letztlich eine Oberschenkelamputation bei akuter Lebensgefahr durchleiden muss, hat Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von 50.000,00 €.

Dies entschied das Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt. Das OLG stellte fest, dass die erforderlichen medizinischen Befunde zur Diagnose des arteriellen Gefäßverschlusses durch die behandelnden Ärzte zu spät erhoben wurden. Obwohl die Klägerin bereits am Vortrag über Schmerzen im Knie, Kälte am Fuß und eine bläuliche Verfärbung an den Zehen klagte, wurden ihr nur Schmerzmittel verabreicht. Erst einen Tag später wurde anhand einer Gefäßdarstellung eine deutliche Durchblutungsstörung mit dem Verdacht eines arteriellen Gefäßverschlusses unterhalb des Kniegelenkes festgestellt.

In der Folge musste die Klägerin notfalloperiert werden und anschließend mussten in schneller Folge insgesamt sechs weitere Operationen durchgeführt werden. Da akute Lebensgefahr bestand, musste schließlich der rechte Oberschenkel amputiert werden. Das OLG stellte fest, dass die verspätete Befundung einen Behandlungsfehler darstellt mit der Folge, dass hinsichtlich der Kausalität eine Beweislastumkehr eintritt. Demnach haften die Ärzte für sämtliche kausalen Schäden, die aufgrund dieses Fehlers eingetreten sind. Der 58-jährigen Klägerin wurde für die Oberschenkelamputation ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000,00 € zuerkannt.

OLG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 13.02.2014, 1 U 14/12

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

 

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