Arzthaftung: Behandlungsfehler bei nicht erkanntem Schulterschaden des Säuglings unter der Geburt

Das OLG Oldenburg hat einen Arzt zur Zahlung von über 11.000 Euro Schadenersatz verurteilt, weil er in der Schlussphase einer Geburt „eine Schulterdystokie entweder nicht erkannt oder nicht ordnungsgemäß auf diese reagiert“ hat. Wenn ein Arzt bei einem Verdacht auf Makrosomie (d. h. unverhältnismäßige Größe von Körperteilen oder Organen) unter der Geburt eine Schulterdystokie, also eine regelwidrige Einstellung des Schultergürtels in Abhängigkeit von Höhenstand des Kopfes, nicht erkennt, bzw. er trotz Erkennens der Dystokie nicht die notwendigen Maßnahmen ergreift, begeht einen groben Diagnose- bzw. groben Behandlungsfehler.
Bei Personenschäden sind die Kosten solcher Heilbehandlungsmaßnahmen zu ersetzen, die aus medizinischer Sicht eine Heilung oder Linderung versprechen. Die erforderlichen Heilbehandlungsmaßnahmen müssen nicht zwingend mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung deckungsgleich sein, sondern können darüber hinausgehen.
Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 15.10.2014 – 5 U 77/14

Gabriele Mayer

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

 

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