Kein Behandlungsfehler bei Vorliegen einer Infektion eines Diabetispatienten mit einem multiresistenten Erreger

 

Die Infektion mit einem multiresistenten Erreger begründet weder per se eine Haftung der Klinik, noch stellt sie ein Indiz für eine mangelhafte Behandlung, d. h. einen Behandlungsfehler dar. Der Arzt schuldet dem Patienten keinen absoluten Schutz vor Infektionen, den niemand bieten kann. Der Arzt haftet nur, wenn er den von ihm zu fordernden Qualitätsstandard unterschreitet und dies auch ursächlich für eine Schädigung des Patienten ist.

Eine räumliche Separierung im Sinne einer Umkehrisolierung kommt bei Patienten in Betracht, die hochgradig infektanfällig sind, sei es wegen einer Immunsubpression, einer Brandverletzung oder wegen einer Immunschwächekrankheit. Bei einem Diabetispatienten ist dies nicht der Fall.

Im Arzthaftungsprozess trägt der Patient die Beweislast für den behaupteten Behandlungsfehler, also für eine Abweichung der ärztlichen Behandlung vom medizinischen Standard.

Auch trägt er den Beweis für die ursächliche Verknüpfung zwischen Behandlungsfehler und dem behaupteten Gesundheitsschaden.  Der Arzt muss diejenigen Maßnahmen ergreifen, die von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt aus berufsfachlicher Sicht seines Fachbereiches vorausgesetzt und erwartet werden.

In dem vom Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt entschiedenen Fall verstarb der Ehemann der Klägerin letztlich an einer Sepsis. Allerdings konnte die Klägerin eine Verletzung des hygienischen Standards als Ursache der Infektion nicht beweisen.

 

Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil vom 12.06.2012, Az.: 1 U 119/11

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

Gabriele Mayer

 

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