Haftung des Arztes für Folgen eines Zweiteingriffs in Folge eines Behandlungsfehlers beim Ersteingriff

Von Fachanwältin für Medizinrecht Gabriele Mayer

Haftung des Arztes für Folgen eines Zweiteingriffs in Folge eines Behandlungsfehlers beim Ersteingriff

Ein Erstbehandler, der durch eine fehlerhafte Behandlung einen Zweiteingriff notwendig macht, haftet auch für die dort aufgetretenen Komplikationen und den sich daraus ergebenden Primär- und Sekundärschäden. So hat dies der BGH mit Urteil vom 22.05.2012 (VI ZR 157/11) entschieden. Ohne den groben Behandlungsfehler bei der ersten Operation, wäre der zweite Eingriff nicht erforderlich gewesen. Deshalb haftet der Erstschädiger auch für sämtliche Komplikationsrisiken des Zweiteingriffs. Allein die Möglichkeit, dass auch ohne den Fehler ein vergleichbarer Schaden aufgetreten wäre, genügt nicht, um den Zurechnungszusammenhang zu verneinen. In solchen Fällen kann es an dem erforderlichen inneren Zusammenhang fehlen, wenn das Schadensrisiko der Erstbehandlung zum Zeitpunkt der Weiterbehandlung schon gänzlich abgeklungen war, sich der Behandlungsfehler des Erstbehandelnden auch den weiteren Krankheitsverlauf also nicht mehr ausgewirkt hat. Gleiches gilt, wenn es um die Behandlung einer Krankheit geht, die mit dem Anlass für die Erstbehandlung in keiner Beziehung steht, oder wenn der die Zweitschädigung herbeiführende Arzt in außergewöhnlich hohem Maße die an ein gewissenhaftes ärztliches Verhalten zu stellenden Anforderungen außer Acht gelassen und derart gegen alle ärztlichen Regeln und Erfahrungen verstoßen hat, dass der eingetretene Schaden seinem Handeln haftungsrechtlich vertretend allein zugeordnet werden muss.

 

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